Donnerstag, 7. Mai 2009

Tag 4


Der Tag nahm seinen Lauf und wir holten die Autos aus dem Nachtquartier im Luxus-Einkaufsparadies nebenan. Der Hunger führte uns auf direktem Wege zum vereinbarten Frühstück ins Hostel. Die Eingangstür steht der in unserem Apartment in nichts nach. Über enge Treppen führte der Weg hinab in die Folter-Katakomben des bulgarischen Geheimdienstes, jedenfalls erweckten Deckenhöhe, Wandstärke und Ausblick diesen Eindruck. Die zugeführte Frischluft war dreifach gefiltert (2 massive Gitter und dazwischen ein Mückennetz) und so ließen wir uns das gereichte Brot, reichlich Butter und Marmelade schmecken.

Der Appetit sollte uns aber kurz danach wieder ordentlich vergehen: Um die Sanitäranlagen war es nicht gerade gut bestellt: Probleme mit dem Abfluß wurden auf ortsübliche Art und Weise gelöst! Es war verboten Zelluloseprodukte jeder Art (ja, auch das an diesem Ort besonders wichtige) in die Toilette zu „werfen“. Freundlicherweise stand dafür ein Mülleimer bereit. Nach dieser Entdeckung verließen wir zügig das Hostel und traten die Weiterreise an.

Es bleibt noch zu erwähnen, dass der typische Bewohner Sofias eher misstrauisch gegenüber Handwerkern ist und dem Elektroinstallateur den Einlaß verwehrt. Anders kann ich mir nicht erklären, dass die Elektrokabel in Symbiose mit Klimaanlagen, Dachrinnen und Wäscheleinen außerhalb befestigt sind. ;-)










Über die Autobahn ging es zügig durch Berg und Tal Richtung Orient. Die Wagen liefen absolut problemlos und so erreichten wir gespannt die türkische Grenze.









Die Formalitäten erfolgten überraschend zügig und problemlos. Wir trafen auf die Mädels vom Dirndl-Team und nach kurzen Erklärungen entließ uns der Zöllner mit Handschlag in Richtung Türkei. Über leere drei-spurige Autobahnen kamen wir dem Etappenziel abermals rasant näher. Die hohe Durchschnittsgeschwindigkeit spricht sich sowohl bei Fuhrwerksbesitzern als auch beim Militär rum und so begab es sich dass man auch T72-Kampfpanzer auf der Autobahn die Berge erklimmen sieht.

Als wir von der Autobahn Richtung Schwarzes Meer abbogen, gerieten wir in ein Manöver der Türkischen Armee. Auf der holprigen Fahrt quer über den „Truppenübungsplatz“ konnten die vergangenen Säulen der deutschen Landesverteidigung aus nächster Nähe besichtigt werden: Leopard 2 Kampfpanzer, M109-Panzerhaubitzen und Unimogs aus Bundeswehrbeständen. Den manövergeplagten Soldaten war die Verwunderung über die kreuzenden Mercedes deutlich anzusehen und sie gingen schneller mit der Waffe in Anschlag als man sich versah.

Die Entbehrungen der holprigen Durchfahrt durchs Manövergebiet wurden durch ein idyllisches Fischerdorf am Schwarzen Meer aufgewogen. Die berühme Schwarzmeerflotte lag zu unseren Füßen und wir beschritten die Kaimauer, freundeten uns mit einem dahervagabundierenden Belgier an (die Kommunikation blieb durch die verkümmerten Französisch-Kenntnisse eher einseitig) und einzelne Teammitglieder verewigten sich auf recht ansehnlichen Fotos. Übrigens gibt es in der Türkei viele Busse der Marke „Metro“ und Assoziationen zwischen beidem können nicht ausgeschlossen werden.









Vom Fischerdorf ging es den Berg hinauf Richtung Istanbul. Die erste wirklich gefährliche Begebenheit der Reise wurde mit viel Umsicht und schnelle Reaktion glücklicherweise gemeistert und so war uns die freundliche Zustimmung der Dorfbewohner sicher!

Der weitere Weg wurde recht holprig: Der Umbau der Dorfstraße zur 4-spurigen Autobahn war gerade in vollem Gange und so erkämpften wir uns auf der Baustelle eine Fahrspur zwischen streunenden Hunden, Hunderten von LKW, rasenden Taxifahrern und Tandems mit Abstandskellen. Die mitreisenden Bau- und LKW-Sachverständigen waren tief beeindruckt.

Die breite Straße führt direkt an den Bosporus und nach anfänglichen Navigationsschwierigkeiten schlängelten wir uns durch den aufregenden Nachmittagsverkehr in Istanbul. Jetzt ist uns allen klar, wo die Berliner Taxifahrer ihr „Handwerk“ lernen, und wir waren glücklich, dass die Hupen der Autos ihre Noten perfekt beherrschen.

Das gebuchte Hostel in der Altstadt hatte sich recht gut versteckt und diesmal half auch die Nachfrage beim örtlichen Personal einer großen amerikanischen Imbisskette nicht so recht weiter. Der männlichen Intuition folgend wurde die Wegbeschreibung noch mal studiert und die Unterkunft dann doch noch gefunden; übrigens als erstes von mehreren in diesem Hostel eingebuchten Rallye-Teams.

Nach dem Bezug des Zimmers entschlossen wir uns zu einem kurzen Ausflug in die Umgebung. Leider ist es schwerer als gedacht, in Istanbul einen Döner zu bekommen: zu späterer Stunde war der Spieß schon leer. Wir trafen auf ein anderes Team und teilten uns 2 gemischte Fleischplatten.

Nach einem Spaziergang durch die „dunklen Viertel“ und einer Besichtigung der „Schuhfabriken“ versammelten wir uns zum Ausklang des Tages in der orientalisch eingerichteten Sitzecke (Teppiche und Kissen sowie ein Tisch mit zu kurzen Beinen) und vernichteten die restlichen Bierreserven. Endlich war auch diese Aufgabe erledigt! Bevor die anderen Teams hektisch werden: Die Aufgabe steht nicht im Roadbook und wurde von uns freiwillig und unter Einsatz aller Kräfte als Ersatz für alle bis dahin zu erfüllenden Aufgaben gelöst!!!

4 Kommentare:

  1. Hallo Jungs!
    Unseren Beobachtungen nach geht es Euch gut!Dagegen habt Ihr ja tolle Erlebnisse in Punkto " Hygiene "! Mühselig ernährt sich halt das Eichhörnchen. Wir wünschen Euch weiterhin viel Fun es Grüßen Euch die Schiebocker und Hundeputscher

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Jungs! Wir lesen mit Begeisterung eure Reiseberichte, die sind Klasse!
    Lasst es euch gut gehn! Wir wünschen euch noch eine schöne Zeit und dass die Autos bis ins Ziel durchhalten!!!!!!!!!!!!!
    Es grüßen euch die Bewohner vom Ziegenberg!

    AntwortenLöschen
  3. Iyi cesur ralli sürücüsü.
    Bu işi uzun zaman var hiçbir yazılı kalmak.
    Ben Türklerin bu kadar dost ve yardımcı olarak Almanya'da umuyoruz.
    Devenin ev alın!

    Leipzig selamlar

    AntwortenLöschen
  4. Einen wunderschönen Guten Tag, die Herrschaften. Sehr interessant, eure Reiseberichte!!! Ich lese allerdings zu oft das Wort "Autobahn", ihr Schlingel! Aber sonst scheint ja alles zu passen. Ich hoffe, der Teamchef hat für sein Unternehmen schon ein paar Vertragsabschlüsse tätigen können, um der Firma eine rosige Zukunft zu ermöglichen?!

    Na dann reist mal schön weiter! Liebe Grüße aus dem sonnigen Dresden vom besten Einschenker am gesamten Ostseestrand!

    AntwortenLöschen